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Kinderhände auf RDG-Pulten als Appell an Politiker, in : GrenzEcho, 10/01/02

 

Die Sternesingeraktion ist dazu da, dass die Kinder vom Pfarrer ausgesandt werden, um den Familien den Segen Gottes für das neue Jahr zu spenden. (…)

Im Jahr 2000 fand in vier französischsprachigen Pfarren erstmals eine Sternsingeraktion statt, 2001 waren es schon elf und in diesem Jahr wohl etwa 20 Pfarren.

 

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 DAS DREIKÖNIGSFEST, in : Nidrum, 1998, (S.373)

 

Das Dreikönigsfest ist in unserem Dorf gleichzeitig Pfarrpatrozinium. Dass damals das Fest der Kirchenpatrone einen grossen Einfluss auf den Termin der Kirmes hatte, wird daraus ersichtlich, dass die Nidrumer Kirmes über viele Jahre im ungünstigen Monat Januar gefeiert wurde.

 

Walter Reuter beschreibt in seiner Lizenzarbeit »Weihnachts, Neujahrs und Dreikönigsbrauchtum in den Belgischen Ostkantonen« von 1961 drei Bräuche des Nidrumer Dreikönigsfestes: die Weihe des Dreikönigswassers, die Segnung der Kreide und das Dreikönigszeichen.

 

(S.374) Am Abend des 5. Januar versammeln sich die Gläubigen in der Kirche, um an der Weihe des Wassers teilzunehmen… Aus einem Gebet erfahren wir den Sinn dieser Wasserweihe:

Gib diesem Elemente die Kraft Deines Segens, dass es die bösen Geister dämme und Krankheiten fernhalte. Was in den Häusern der Gläubigen mit diesem Wasser besprengt wird, soll frei sein von jeder Unreinigkeit und bewahrt werden vor jedem Schaden… Nach der Weihe des Wassers gehen die Gläubigen nach Hause. Hier besprengen sie Wohnhaus und Stall, sich selbst und das Vieh mit dem heiligen Wasser. So stellen sie alles unter den Schutz der drei Weisen aus dem Morgenlande. Am Dreikönigstag findet in Nidrum noch eine andere Weihe statt, nämlich die der Kreide. Die Leute nehmen dann ein Stück von der gesegneten Kreide mit nach Hause und schreiben damit das sogenannte Dreikönigszeichen uber Haus und Stalltür: 19+C+M+B+98. Das ganze Jahr hindurch bleibt das Zeichen iiber der Tür stehen, um dadurch dem Bösen den Eintritt ins Haus zu verwehren. (1, S.41)

 

Der 6. Januar war in Nidrum ein Feiertag, der am Morgen mit einem feierlichen » Dreiherrenhochamt « eingeleitet wurde. Anschliessend trafen sich die Verwandten in den Familien zum festlichem Schmaus. Am Abend begab sich die Dorfgemeinschaft, aber auch zahlreiche auswärtige Gäste zur Theateraufführung des Musik oder Gesangvereins, die sich grosser Beliebtheit erfreute. In den letzten Jahrzehnten wurde, einhergehend mit dem steten Rückgang des religiösen Einflusses bei den Bewohnern, der 6. Januar zu einem ganz gewöhnlichen Arbeitstag. Der Dorfabend mit Konzertbeiträgen der kulturellen Vereine und die Aufführung eines Schwanks durch die Theatergruppe wird nunmehr am Samstag nach dem Dreikönigstag abgehalten und erfreut sich in den letzten Jahren, nach einer vorübergehenden Flaute, erneut wachsender Beliebtheit bei der Bevölkerung, wie die Besucherzahlen beweisen. Den Abschluss der Weihnachtszeit bildet am Tag danach das traditionelle Konzert des Kirchenchores in der Pfarrkirche.

 

Das Dreikönigssingen wurde sonderbarerweise in unserer Pfarre erst sehr spät eingeführt. Es war Pfarrer Joseph Pankert, der diese Sammelaktion der Kinder hier ins Leben rief. Am 7. Januar 1987 zogen die Sternsinger zum ersten Mal durch die Ortschaft, um den Segen in jedes Haus zu bringen und eine Spende für die Kinder in den Entwicklungsländern zu erbitten. Im Jahre 1988 waren die Nidrumer Sternsinger in Bonn zu Gast bei Bundeskanzler Helmut Kohl.

 

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SYLVESTER UNO NEUJAHR, Feste im Jahreslauf, in : Nidrum, 1998, S.372

 

Seit jeher wurde in der Sylvesternacht das alte Jahr gebührend verabschiedet und das neue ebenso herzlich begrüsst. Es gehörte zur Tradition, dass die Leute sich am Abend des 31. Dezember in Privathäusern trafen um die letzten Stunden des alten, aber auch häufig die ersten des neuen Jahres beim Kartenspiel zu verbringen. Dabei wurde in früherer Zeit um Neujahrswecken gespielt, die der Gastgeber beim Bäcker besorgt hatte. Natürlich durfte das »Dröppchen« bel dieser Gelegenheit auch nicht fehlen. Dieser Brauch des Kartenspiels hat sich in einigen Familien bis zum heutigen Tag erhalten. In neuerer Zeit wird die Sylvesternacht häufig in Restaurants bei Musik und ausgiebigem Essen und Trinken zugebracht. Mehr und mehr wird aber auch in der Familie oder im Freundeskreis bei Fondue und einer guten Flasche Wein bis in die Morgenstunden ausgelassen und fröhlich gefeiert. Seit Beginn der neunziger Jahre werden um Mitternacht verstärkt Feuerwerkskörper und Raketen in den kalten Nachthimmel geschossen um das neue Jahr lautstark zu begrü&en, dazu verkündet seit wenigen Jahren Glockengeläut den Menschen, da!5 ein neues Jahr angebrochen ist.

 

Am Neujahrstag wird jeder mit einem herzlichen «Jelöckselich Nöjjohr« begrüsst. Auf dem Frühstücktisch lagen in früherer Zeit immer leckere Neujahrswecken, ein süssliches Gebäck von ovaler Form, das die Bäcker bei dieser Gelegenheit ihren Kunden schenkten und das mit grossem Appetit gegessen wurde. Auch heute gehören diese Wecken in manchen Familien ganz einfach noch zum Neujahrsfrühstück dazu. Es war ebenfalls gute Sitte am ersten Tag des Jahres den Eltern, Grosseltern, Paten und Nachbarn einen Besuch abzustatten und ihnen ein gesegnetes neues Jahr zu wünschen. Als Belohnung für diesen Glückwunsch gab es für die Kinder wiederum einen Weck, das eine oder andere Stück Stoff, ein Kleidungsstück und manchmal etwas Geld, während für die Erwachsenen die Schnapsflasche bereit stand. In den Wirtschaften wurden den Gästen, an diesem Tag, die beiden ersten Getränke umsonst eingeschenkt. Heute wird dieses »Gläschen« häufig durch ein kleines Geschenk ersetzt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich in den Ostkantonen der Brauch des Neujahrskartenschreibens stark eingebürgert. (1, S.35)

 

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DAS DREIKÖNIGSFEST, in : Nidrum, 1998, S.373

 

Das Dreikönigsfest ist in unserem Dorf gleichzeitig Pfarrpatrozinium. Dass damals das Fest der Kirchenpatrone einen grossen Einfluss auf den Termin der Kirmes hatte, wird daraus ersichtlich, dass die Nidrumer Kirmes über viele Jahre im ungünstigen Monat Januar gefeiert wurde.

 

Walter Reuter beschreibt in seiner Lizenzarbeit »Weihnachts, Neujahrs und Dreikönigsbrauchtum in den Belgischen Ostkantonen« von 1961 drei Bräuche des Nidrumer Dreikönigsfestes: die Weihe des Dreikönigswassers, die Segnung der Kreide und das Dreikönigszeichen.

 

(S.374) Am Abend des 5. Januar versammeln sich die Gläubigen in der Kirche, um an der Weihe des Wassers teilzunehmen… Aus einem Gebet erfahren wir den Sinn dieser Wasserweihe: Gib diesem Elemente die Kraft Deines Segens, dass es die bösen Geister dämme und Krankheiten fernhalte. Was in den Häusern der Gläubigen mit die­sem Wasser besprengt wird, soll frei sein von jeder Unreinigkeit und bewahrt werden vor jedem Schaden… Nach der Weihe des Wassers gehen die Gläubigen nach Hause. Hier besprengen sie Wohnhaus und Stall, sich selbst und das Vieh mit dem heiligen Wasser. So stellen sie alles unter den Schutz der drei Weisen aus dem Morgenlande. Am Dreikönigstag findet in Nidrum noch eine andere Weihe statt, nämlich die der Kreide. Die Leute nehmen dann ein Stück von der gesegneten Kreide mit nach Hause und schreiben damit das sogenannte Dreikönigszeichen über Haus und Stalltür: 19+C+M+B+98. Das ganze Jahr hindurch bleibt das Zeichen über der Tür stehen, um dadurch dem Bösen den Eintritt ins Haus zu verwehren.

 

Der 6. Januar war in Nidrum ein Feiertag, der am Morgen mit einem feierlichen »Dreiherrenhochamt« eingeleitet wurde. Anschliessend trafen sich die Verwandten in den Familien zum festlichem Schmaus. Am Abend begab sich die Dorfgemeinschaft, aber auch zahlreiche auswärtige Gäste zur Theateraufführung des Musikoder Gesangvereins, die sich grofier Beliebtheit erfreute. In den letzten Jahrzehnten wurde, einhergehend mit dem steten Rückgang des religiösen Einflusses bei den Bewohnern, der 6. Januar zu einem ganz gewöhnlichen Arbeitstag. Der Dorfabend mit Konzertbeiträgen der kulturellen Vereine und die Aufführung eines Schwanks durch die Theatergruppe wird nunmehr am Samstag nach dem Dreikönigstag abgehalten und erfreut sich in den letzten Jahren, nach einer vorübergehenden Flaute, erneut wachsender Beliebtheit bei der Bevölkerung, wie die Besucherzahlen beweisen. Den Abschluss der Weihnachtszeit bildet am Tag danach das traditionelle Konzert des Kirchenchores in der Pfarrkirche.

 

Das Dreikönigssingen wurde sonderbarerweise in unserer Pfarre erst sehr spät eingeführt. Es war Pfarrer Joseph Pankert, der diese Sammelaktion der Kinder hier ins Leben rief. Am 7. Januar 1987 zogen die Sternsinger zum ersten Mal durch die Ortschaft, um den Segen in jedes Haus zu bringen und eine Spende für die Kinder in den Entwicklungsländern zu erbitten. Im Jahre 1988 waren die Nidrumer Sternsinger in Bonn zu Gast bei Bundeskanzler Helmut Kohl.

 

 

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KARNEVAL, in : Nidrum, 1998

 

Bevor die in früheren Zeiten sehr strenge Fastenzeit begann wurde und dies seit vielen Jahrhunderten nochmals so richtig ausgelassen gefeiert, denn die Fastnacht erlaubte alles, was in der folgenden Fastenzeit verboten war. So war es nicht verwunderlich, dass an diesen Tagen üppig gegessen und reichlich getrunken wurde. Nidrum hat nie zu den Hochburgen des Eifeler Karnevals gehört. Das ganze Feiern beschränkte sich meist auf eine Tanzveranstaltung am Fastnachtsonntag, bei der die Maskierten und Kostümierten eindeutig in der Minderheit waren. In den beiden letzten Jahren hat diese Veranstaltung einen erheblichen Aufschwung genommen. Am Rosenmontag zogen bereits in den zwanziger Jahren maskierte und kostümierte Kinder von Haus zu Haus und sangen ihr Liedchen:

,,Et äss jo Fastelovend, juderiderallala,

et äss jo Fastelovend juderidera.

Un wenn et net Fastelovend äss

da wes der Deuvel wat et äss,

Et äss jo Fastelovend juderidera…«

 

Als Belohnung wird ihnen sodann ein Geldbetrag in die bereitgehaltene Sparbüchse geworfen. In der Vorkriegszeit war dieses Heischen ausschliesslich den « Jungen vorbehalten.

 

Mitte der siebziger Jahre hielt der Karneval Einzug in der Schule. Am Nachmittag der Altweiberfastnacht kamen Lehrpersonen und Kinder kostümiert zur Schule um mit Gesang, Tänzen, Sketchen und Spielen fröhlich die tollen Tage einzuläuten. Ab 1992 wurde dieser Nach­mittag durch die Elternvereinigung im Saale Haep zu ei­ner regelrechten Kinderkappensitzung mit Prinzenproklamation ausgeweitet. 1998 übernahmen die Frauen

erstmals das Regiment in unserer Ortschaft. 65 »Möhnen« zogen bereits ab 9.30 Uhr, unter Führung von »Obermöhn« Hanni Renardy, durch das Dorf und waren bei der Erstûrmung des Rathauses in Weywertz dabei. Es war ein wohlgelungener Versuch diese seit Jahren in zahlreichen Orten des Rheinlandes und der Eifel bestehende Tradition einzuführen.

 

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BURGSONNTAG, in : Nidrum, 1998, (S.374)

 

Eine Woche nach Fastnacht, also am 1. Fastensonntag, werden überall in der Eifel die Burgfeuer angezündet. In den Wochen vorher ziehen die 13 und 14 jährigen Jungen durchs Dorf, uni Stroh, Reisig oder die ausgedienten Weihnachtsbäume einzusammeln und sie zur Brandstelle zu bringen. Geldspenden werden dabei ebenfalls dankend entgegengenommen. Am Abend wird die Burg angezündet und anschliessend treffen sich die Jugendlichen zu einem gemeinsamen Essen. In den letzten Jah­ren hat der Junggesellenverein die Organisation in die Hände genommen und versucht so diese Tradition in unserem Dorf aufrechtzuerhalten.

 

Ewald Heck erzählte, wie er 1929 als damais Vierzehnjähriger den Verlauf dieses Tages erlebt hat: Wir zogen von Haus zu Haus und sangen an jeder Tür folgendes Lied: (…).

 

Sodann erhielten wir eine Garbe Stroh, dazu Speck und Eier. Nach Ende des Rundgangs wurde die Burg auf einem Grundstück von Wilhelm Peterges, genannt »Müsbüchel«, das auf einer Anhöhe liegend, gut sichtbar vom Dorf her war, aufgerichtet. Dann stellte jeder seine Fackel her, indem er einen langen Stock auswählte und diesen mit Stroh umwickelte. Beim Hereinbrechen der Dunkelheit wurden Burg und Fackeln angezündet, am sodann singend mit den brennenden Fackeln uni die Burg getanzt. Zum Abschluss wurden dann in einem Hause der Speck und die Eier gebraten und gegessen.

 

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Eintopf, in: Cuisine de carnaval avec nos amies des Cantons de l’Est, Vie feminine, s.d.

 

Le EINTOPF est un des plats les plus anciens des gens pauvres.  Pendant le dernière guerre mondiale elle était distri­buee par la commune, à cer­taines occasions, pour les plus pauvres.  A ce moment, il n’y avait évidemment qu’un peu de lard et pas du tout de saucisses. Cette soupe peut être surgelée et permet donc à certains mo­ments d’avoir un repas complet rapide.

 

(tout dans le même pot) (pour 4 personnes)

 

250 gr de haricots blancs secs, 3 poireaux (peuvent être rempla­cés par des oignons), 2 gros oignons, 4 carottes, 2 grosses pommes de terre, 2 saucisses fumées, un peu de lard fume, du céleri, sel  poivre  1 feuille de laurier

 

Mettre tremper les haricots le soir dans 2 litres d’eau.  Le lende­main ajouter le lard et les saucisses et laisser cuire pendant ± 1 heure.  Ensuite ajouter tous les légumes coupes en morceaux (pas trop fins) la feuille de laurier, sel et poivre selon goût et laisser encore cuire pendant ± 1/2 heure.  Retirer le lard et les saucisses, les couper en petits morceaux et les remettre dans la préparation.

 

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/Recht/ Schieferstein und Schwarzbrot, Aktuell Verlag, 1983

 

(S.247) Das Burgfeuer

 

Das Dorf Recht besitzt den Vorzug, einen Ortsteil mit der Bezeichnung ,,Burg » zu besitzen. Er gehört zum traditionsreichsten Boden des Dorfes. Da er, wie der Name bereits besagt, hochgelegen ist, eignet er sich hervorragend zur Entzündung des Burgfeuers am Burgsonntag. An diesen Brauch heften sich zahlreiche Deutungen, und wahrscheinlich haben sich im Laufe der Jahrhunderte stets neue hinzugefügt. Für die einen werden die Geister des Winters gebannt, und der Bauer prüft gern die Windrichtung, um eine Prognose für das kommende Erntejahr zu stellen. Die Kirche, die mit Aschermittwoch die Fastenzeit begonnen hat, sieht in diesem Brauch die Vernichtung des Heidnischen und Sündhaften sowie die Läuterung im vierzigtägigen Fasten. Manche verweisen auf die Freudenfeuer, die dem Volksmund zufolge am Ende der Franzosenzeit angezündet wurden.

 

Jedenfalls bietet es einen anheimelnden Anblick, wenn man von einer Anhöhe aus die Burgfeuer mehrerer Dörfer im Dunkel des Sonntagabends aufleuchten sieht. Vor dem Krieg errichteten verschiedene Ortsteile noch ihr eigenes Burgfeuer, und man versuchte gern, den anderen einen Streich zu spielen und deren Burg vorzeitig anzuzünden.

In Recht wird die Burg von den Junggesellen errichtet. Es ist hier wie auch andernorts Sitte, dass das zuletzt getraute Paar des Dorfes die Burg anzündet. Meist beteiligt sich der Musikverein mit einem Ständchen, den Umstehenden wird ,,en Dreppche » angeboten, und anschliessend begibt man sich in die Wirtshäuser.

 

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PALMSONNTAG, in : Nidrum, 1998

 

Der Palmsonntag wird zu Beginn der Karwoche, in Erinnerung an den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem, gefeiert. Für Nidrum erfahren wir so, dass der gesegnete Palmzweig an jedes Kruzifix des Hauses gesteckt wird, an eine Stelle (meist Krippe) im Stall, beim Säen in den Acker. Hiermit sollen Haus und Bewohner geschützt wer­den, die Saat soll gut gedeihen.

 

(S.375) Vor rund 10 Jahren hat Pastor Pankert die Palmweihe aus der Kirche zum Kreuz in der Bermicht verlegt. Anschliessend ziehen die Christen singend und betend mit Palmzweigen in den Händen zum Gotteshaus, wo das Hochamt gefeiert wird.

 

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DIE KARWOCHE, in : Nidrum, 1998

 

In früheren Jahren wurden in den Kirchen die Kreuze und Altarbilder, als äusseres Zeichen der Trauer, verhüllt. Nach dem feierlichen Gloria in der Abendmahlsfeier am Gründonnerstag bis zum Gloria der Auferstehungsmesse am Karsamstag schwiegen sowohl die Orgel, als auch die Glocken. Im Volksmund hiess es, dass die Glocken nach Rom gereist seien. Während der Gottesdienste wurde a capella gesungen und an Stelle der Schellen gebrauchten die Messdiener Klappern um Opferung, Wandlung oder die Kommunion anzukündigen. Die Klapperjungen zogen durch das Dorf um zur Morgens, Mittags und Abendzeit den «Engel des Herrn« zu »Kläppern«. Dafür gab es zur Belohnung in manchen Häusern 25 Centimes in die Sammelbüchse. Von dieser Tradition ist nur noch der Gebrauch der Klappern während der Gottesdienste übriggeblieben.

 

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OSTERN, in : Nidrum, 1998

 

Ostern war und ist das wichtigste Fest des Kirchenjahres. Dies kam früher in besonderer Weise durch die häufigen Kirchgänge an den Ostertagen zum Ausdruck. So wurde das 40 stündige Gebet abgehalten; neben den Mefifeiern gab es um 12 Uhr die Armenseelenstunde, um 15 Uhr die Vesper und um 20 Uhr die Komplet. Ausserdem wurden Betstunden für Kinder, Männer, Frauen, sowie abwechselnd für alle Gläubigen von jeweils 15 Häusern durchgeführt.

 

Unverzichtbarer Bestandteil der Osterfestlichkeiten ist zweifelsohne das Osterei. In den Tagen der Karwoche sammeln die Kinder Stroh und Moos um ihr Osternest herzurichten, damit der »Osterhase« in der Osternacht die Eier dort ablegen konnte. Am Ostermorgen werden die bunten Eier eingesammelt. In früheren Jahren bestand ein beliebtes Spiel, im »Köppen« der Ostereier.

Dabei wurden die Spitzen von zwei Ostereiern aneinander geschlagen. Gewinner war das Kind dessen Ei den Stoss heil überstanden hatte. Am Ostermontag machen sich die Kinder auf den Weg um bel Nachbarn und Verwandten die Ostereier »holen zu gehen«. Dieser Brauch besteht in Nidrum seit Menschengedenken. Ein weiterer Osterbrauch war in der Vorkriegszeit das Sammeln er bunten Eier durch die männlichen Jugendlichen bei den jungen Damen. Bei dieser Gelegenheit konnten diese ihre besondere Zuneigung für den einen oder andere jungen Mann dadurch kundtun, dass sie ihm ein zusätzliches Ei in die Hand drückten.

 

In neuerer Zeit sieht man in vielen Wohnungen wunderschöne Ostersträusse als Dekoration.

 

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APRILSCHERZE, in : Nidrum, 1998

 

Seit Jahrhunderten gilt der 1. April als ausgesprochener Narrentag.

Bis in die Gegenwart hinein muss mit gerechnet werden im Mittelpunkt allgemeiner Belustigung zu stehen, wenn man sich in den April schicken lässt, denn am 1. April schickt man die Narren wohin man will. Auch diesen Brauch gibt es Solange sich die Eheleute Heck erinnern können.

 

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DIE MAIENNACHT, in : Nidrum, 1998

 

Im 1. Band von Leben und Feiern auf dem Lande berichtet Paul Ludwig Krings: …dass noch Ende der 1930er Jahre während der Maiennacht in Nidrum Streiche gespielt wurden. So schmissen Jugendliche beispielsweise drei Heringsfässer in einen blühenden Lindenbaum, so dass der Besitzer diese nicht mehr fand.

 

Rechen oder Grasbüschel wurden in einen Kamin gesteckt; auch wur­den nachts Kordeln über die StraBe gespannt. Auch das Spielen von Streichen unter dem Namen »Vohssen« bekannt hat es schon sehr frühzeitig gegeben, konnten doch Franziska und Ewald Heck über »Taten« aus der Jugendzeit ihrer Väter berichten. Nach Kriegsende wurde diese alte Tradition in verstärktem Masse weitergeführt. In den Vormittagsstunden des 1. Mai war so mancher Zeitgenosse auf der Suche nach seiner Schubkarre, seinem Pferdewagen oder seinem Zaungatter, die fleissige Jugendliche in »harter« Nachtarbeit kreuz und quer durchs Dorf geschleppt hatten. Ich erinnere mien noch genau an einen Sonntag, dem 1. Mai, Anfang der fünfziger Jahre, als ich um 7 Uhr 15 zum Messdienen an der Kirche erschien und dort mit Erstaunen feststellen musste, dass das Seitenportal, in den Nachtstunden von emsigen Händen bis obenhin mit Schubkarren »zugemauert« worden war. Der damalige Pastor Walter Schomus batte, wie sich an der Lautstärke seiner Predigt unschwer feststellen liefi, keinerlei Verständnis für diese Art von Scherzen. Da in den folgenden Jahren seitens der Bevölkerung am 30. April immer gründlicher alle trag und fahrbaren Geräte gesichert wurden, muSte der Brauch des »Vohssens«, mangels Gelegenheit lautlos zu Grabe getragen werden.

 

Ein weiterer Brauch aus meiner Kindheit gehört heute ebenfalls der Vergangenheit an, es handelte sich um einen ähnlichen Brauch, wie zum 1. April, als versucht wurde die Mitmenschen zu manchem unsinnigen und lustigen Tun zu verleiten, um sie nach vollbrachter Tat, als »Maikalb« bezeichnen zu dürfen.

 

Das für die Eifel typische »Maiennachtsingen« ist ein noch recht junger Brauch. In Nidrum kam er erst so richtig auf, als Anfang der sechziger Jahre das »Vohssen« unmöglich geworden war. In den ersten Jahren wurde neben der Liebsten, meist den Mädchen aus der Nachbarschaft oder vom gleichen Jahrgang in der Maien­nacht das von den Malmedyer Brüdern Lebierre 1898 gedichtete und vertonte Lied »Lu nut’ du May«, welches 2 Jahre später ins Deutsche übersetzt worden war, ge­sungen. Als Lohn gab es so manches »Dröppchen«. Auch Musikverein und Kirchenchor zogen und ziehen heute noch durch das Dorf, um den Nidrumern zur Maien­nacht aufzuspielen, beziehungsweise zu singen. Mit zunehmender Mobilität wurde das »Wirkurtgsfeld« nun auf die ganze Eifel ausgedehnt. Dies hat zur Folge, dass oft noch am späten Nachmittag des Maifeiertages stark alkoholisierte Gruppen grölend umherziehen und diesen schönen Brauch mehr und mehr in Verruf bringen. Leidtragende sind häufig die Mädchen, die immer wieder in (S.375) sporadischen Abständen aufstehen müssen um die oft müde und betrunkene Schar zu bewirten. Auch ist es sicherlich äusserst frustrierend, wenn die eine oder andere Maid weniger oder gar nicht besungen wird. Glücklicherweise werden in den letzten Jahren, aus Sicherheitsgründen, die Fahrten mehr und mehr in Kleinbussen durchgeführt. Auch ist der Schnaps fast völlig verschwunden und durch Bier oder alkoholfreie Getränke ersetzt worden. Das Anbringen, von mit Bändern geschmückten »Maien«, hat sich erst seit Beginn der 1980er Jahre eingebürgert. Obwohl die Maiennacht einen eher schlechten Ruf geniesst, erfreut sie sich dennoch ungebrochener Beliebtheit.(l, S. 132)

 

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MAIANDACHT UND MAIALTAR, in : Nidrum, 1998

 

Die Verehrung der Mütter Gottes hat in der Eifel Tradi­tion. Die in der Volksfrömmigkeit weit verbreitete Gewohnheit, sich besonders in schweren Stunden, vertrauensvoll an Maria zu wenden, gehört seit jeher zu den Gepflogenheiten der Bevölkerung. Der Monat Mai war und ist in besonderer Weise der Mütter Gottes geweiht. In der Kirche wurde der Maialtar aufgestellt und mit Blumen geschmückt. Während des ganzen Monats wurden die Gläubigen allabendlich durch Glockengeläut zur Maiandacht gerufen. Zudem befand sich in den meisten Häusern ein geschmückter Maialtar. Es gehörte zu den angenehmen Pflichten der Kinder die Blumen für diesen Muttergottesaltar zu besorgen. Von dieser Tradition ist in unserem Dorfe nicht sehr viel übriggeblieben. Zwar befindet sich der Maialtar nach wie vor in der Kirche, die Maiandacht gehört allerdings, wie so viele andere religiöse Bräuche, der Vergangenheit an. Kaum anders dürfte es sich in den meisten Fa­milien mit dem Errichten der Maialtäre verhalten.

 

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MUTTERTAG, in : Nidrum, 1998

 

Von Amerika, wo der Muttergedenktag am 2. Maisonntag im Jahre 1908 seinen Ursprung hatte, kam er 1917 über die Heilsarmee in die Schweiz. In der belgischen Eifel faSte dieses Fest, nach einem kurzen Intermezzo während der ersten Kriegsjahre, erst in den 50er Jahren so richtig Fuss Massgeblichen Anteil an der Ausbreitung dieses Branches hatte die Schule, wo schon frühzeitig fleissig Gedichte eingeübt und kleine Geschenke gebastelt wurden. Seit etwa 15 Jahren laden in Nidrum die Schulkinder und ihre Lehrpersonen im Zweijahresrythmus die Miïtter zu einer Feier in den Schulsaal oder in den Saal Haep ein, wo zunächst Gedichte, Lieder oder kleine Sketche aufgeführt und sodann den Müttern Ge­schenke überreicht werden. In den letzten Jahren wurde jeweils mit grossem Erfolg ein Kindermusical aufgeführt. In den meisten Familien werden die Mütter an diesem Tag durch den Vater und die Kinder verwöhnt. Dies beginnt mit dem Zubereiten des Frühstücks, geht weiter mit Vortragen von Gedichten und Überreichen von Geschenken. In vielen Häusern bleibt der Herd an diesem Tage kalt, da in Restaurants gespeist wird. Auch der Besuch mit Blumen bei den Grossmüttern gehört zu den selbstverständlichen Pflichten dieses Ehrentages. Der Versuch, auch einen Vatertag ins Leben zu rufen, hat bis in die Gegenwart hinein nicht den Anklang gefunden, wie etwa der Muttertag.

 

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DIE BITTPROZESSION, in : Nidrum, 1998

 

Die Lebenswelt der Eifeler war stark durch ihre enge Bindung an die Natur geprägt. Denn ihr wirtschaftliches Wohlergehen war lange von dem Ungemach ihrer oft rauhen Witterung und dem, was diese als Ertrag auf den Äckern und Wiesen heranreifen liess abhängig. (1, S. 141) So war es nicht verwunderlich, dass sich die Menschen gerade in den Frühlingswochen reccht zahlreich in einer langen Prozession, betend und singend in die Natur begaben, uni Gottes Segen auf Feld und Flur herabzurufen. Dies geschah stets an den 3 Tagen vor Christi Himmelfahrt, den sogenannten Bittagen. Dieser Ritus hat eine sehr lange Tradition, wird auch heute noch in Nidrum durchgeführt, allerdings ist die Teilnahme der Gläubigen, genau wie die zurückgelegte Wegstrecke, auf ein Minimum reduziert. Ewald und Franziska Heck beschrieben die Durchführung der Bittprozession in ihren Kindertagen, Mitte der zwanziger Jahren folgendermassen:

Um halb sieben begann die Messe in der Kirche. Sodann setzte sich die Prozession, an der die Kinder mit ihren Lehrpersonen selbstverständlich teilnahmen, in Bewegung. Am ersten Tag führte der Prozessionsweg Richtung Weywertz bis hin zum Brunnen an der Hesselsgasse, Haus Walter Schmidt, dann weiter hinauf zur Vennstrasse, am Haus Paul Ludwig Krings vorbei zur Dellenstrasse und zuriïck zur Kirche. Der Brudermeister sorgte für die richtige Ordnung beim Beten des Rosenkranzes. Kurz vor dem Eintreffen der Prozession an der Kirche begannen die Glocken zu läuten. Am zweiten Tag ging es Richtung Dell, Vennstralsse, Alter Malmedyerweg, Bermicht zur Kirche zurück und am dritten Tag fuhrte der Weg Richtung Bütgenbach bis zum Kreuz am Hause Ernst Pfeiffer, zurück durch den Brungsweg und die Talstrasse zur Kirche. Da sich die Wege in sehr schlechtem Zustand befanden, kamen die Gläubigen bei schlechter Witterung arg verschmutzt von diesen Bittgängen zurüick.

 

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MARIA HIMMELFAHRT, in : Nidrum, 1998, S.381

 

Am 15. August feiert die katholische Kirche das älteste Marienfest, entstanden im 5. Jahrhundert, Maria Himmelfahrt. Seit dem Mittelalter ist mit diesem Fest die Segnung von Kräutern verbunden, die durch die Weihe für Mensch und Tier heilkräftig wurden. Die Segnung wurde in unserer Pfarre bis vor einigen Jahren stets vor Beginn des Hochamtes abgehalten. Diese Kräuter sollten auch vor Blitzschlag schützen. Bei Gewitter wurden Kräuter in den Ofen geworden, um so das Haus unter den Schutz Gottes zu stellen. Seit 1967 findet an diesem Tag die durch eine Gruppe von Freiwilligen geplante und durchgeführte Ausfahrt der Betagten statt.

 

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FRONLEICHNAM, in : Nidrum, 1998

 

Die Fronleichnamsprozession, die in Lüttich ihren Ur­sprung hat, wird stets am 2. Donnerstag nach Pfingsten gefeiert. Die an diesem Fest stattfindende Prozession hat in der Eifel eine sehr lange Tradition. …Schon August Hintzen merkt an, dass die Fronleichnamsprozession feierlich gehalten wurde. Im Jahre 1693 wurde für Pulver für die Schützen bei der Prozession 3 Dater 6 Stüber und für Bier für dieselben 1 Daler ausgegeben.

 

Über die Vorbereitungen und den Verlauf der Fronleich­namsprozession in der Zwischenkriegszeit in Nidrum kann man einen ausführlichen Bericht von Walter Reuter im 1. Band von Leben undFeiern auf dem Lande von Carlo Lejeune auf den Seiten 152 und folgende nachlesen. Um einen Eindruck von der Wichtigkeit dieses Pestes in der damaligen Zeit zu vermitteln, sollten hier einige Auszüge aus der Niederschrift von W. Reuter zitiert werden:

Wenn am Sonntag die Gläubigen den Herrgott in feierlichem Zuge durch die Strassen und Cassen geleiteten, dann musste das Dorf im Festkleid erscheinen…

 

Auch für die Kinder gab es an diesen Tagen einiges zu tun. Sobald die Schule aus war, zogen sie mit Körben und Eimern hinaus um … Blumen zu pflücken, denn über einen Blütenteppich (S.377) sollte der Heiland von seiner gläubigen Gemeinde durch die Ortschaft getragen werden… An zwei oder drei Tagen vor dem Fest trafen sich des Abends, wenn alle Haus und Hofarbeit verrichtet war, die jungen Leute in vier verschiedenen Häusern. Durch jeden Ortsteil (Bermicht, Ortchen, Kulei und Dell) zog die Prozession und nach aller Sitte wurde an jedem der vier Stationskreuze haltgemacht. Diese galt es nun zu schmücken und da dies seit jeher die Aufgabe der Jugendlichen war, lag darin auch der Grund ihrer abendlichen Zusammenkünfte… Die jungen Männer hatten aus dem nahen Wald frisches Tannengrün geholt und nun wurde damit der grosse Triumphbogen umwickelt, der für die Prozession vor dem Stationskreuz aufgerichtet wurde. Auch Girlanden wurden geflochten. Unterdessen schufen die Mädchen mit gewandten Fingern unzählige Rosen aus buntem Kreppapier.

 

Am Abend vor dem Fest wurden die Rosen auf den Triumphbogen aufgesteckt und dieser dann von einigen kräftigen Jungmännern aufgestellt… Sodann wurden um das Kreuz junge Birkenbäumchen in den Boden gesteckt und Masten mit rotweilSen, blauweiKen und wei/Sgelben Fahnen aufgestellt…

 

 

DIE KIRMES, in : Nidrum, 1998 (S.379)

 

Der Begriff Kirmes musste zunächst das jährliche Gedenkfest einer Kirche an ihren Weihetag umschreiben. Wir finden diese Bezeichnung aber auch oft für den örtlichen Festtag des Heiligen, dem die jeweilige Kirche geweiht ist.

 

In Nidrum war zunächst das Fest der Kirchenpatrone entscheidend für den Termin, an dem die Kirmes gefeiert wurde. Bis 1931 fand diese im wetterbedingt ungünstigen Monat Januar, am Sonntag nach dem Fest der Heiligen Drei Könige, den Schutzpatronen der Pfarre statt. Die Kirmes, die ursprünglich einen ausschliesslich religiösen Charakter aufwies, hat sich im Laufe der Jahre mehr und mehr zu einem rein weltlichen Fest gewandelt und darf bis in die Gegenwart hinein als das Fest schlechthin im Jahresablauf angesehen werden. Wann in unserer Ortschaft erstmals Kirmes gefeiert wurde lässt sich nicht mehr feststellen. Das erste Zeugnis über den Kirmesbrauch in der belgischen Eifel dürfte wohl m Bruderschaftsbuch der Junggesellenbruderschaft in St.Vith aus dem Jahre 1785 stehen.

 

Die Kirmes war traditionsgemäss ein Familienfest. In ;inem Bericht, den der gebürtige Nidrumer Jakob Peterges 1975 in der Zeitschrift Z.V.S veröffentlichte können wir einiges über die Kirmesfeier um 1920 herum erfahren: In alten Zeiten war die Dorfkirmes zwischen Venn und Schneifel, wie überall auf dem Lande, für die meisten wohl das « grösste Fest« des Jahres und auch die einzige Gelegenheit, wo sich Verwandte von nah und fern nochmals zu einem fröhlichen Beisammensein trafen.

Manchmal kamen in einem Haus bis zu 20 Personen zur Kirmes. Alle brachten gewöhnlich einen guten Appetit mit. Deshalb musste auch stets dafiir gesorgt werden, dass reichlich Vorräte an Fleisch und Backwerk vorhanden waren. Für die Fleischversorgung musste bei den Bauern meistens ein Schwein sein Leben lassen. Torten (im Volksmund auch ,,Flaad » genannt) wurden neben Kranz und Kuchen von allen Sorten gebacken und zwar in ergiebiger Menge, denn zur damaligen Zeit herrschte noch der Brauch, dass den Gästen Kuchen für die Daheimgebliebenen mitgegeben wurde, damit diese auch noch etwas von der Kirmes mitbekamen. Um das Paket mit «Kirmesflaad« besser nach Hause tragen zu können, war es Usus, dass man ein hierfür geeignetes, etwas grösseres, »Flaadekleed mitbrachte, um die obligatorische »Mitgift« darin einbinden, sie dann am geschulterten Stock oder Regenschirm, wie einen Rucksack am Rücken hängend, heim zu tragen. Nach meinem Heimatort, wo die Kirmes noch im Winter war, und zwar am Sonntag nach Dreikönigstag (Pfarrpatrozinium der Pfarre Nidrum),…

 

Ewald und Franziska Heck berichteten, dass der Reis, Pflaumen, Aprikosen oder Apfelfladen, sowie Kaffeekuchen entweder zu Hause gebacken oder dass die Zutaten zu den Bäckern Michel Peiffer oder Wilhelm Peterges gebracht und dort in den Ofen geschoben wur­den. Dazu gab es noch Kranz und Milchweck. An den drei Abenden wurden in den Sälen Kirmesbälle abgehalten. Bei dieser Gelegenheit spielten Blaskapellen, die auf der »Hurt«, einem Balkon, der oben an einer Wand des Saales befestigt war, Platz genommen hatten, zum Tanze auf. Der Eintritt war frei, dafür wurde aber während der Tanzpause Tanzgeld kassiert. Frau Heck merkte noch an, dass die Mädchen nie ein Portemonnaie dabei hatten wenn sie ausgingen, zahlen mussten immer die Männer. Meistens lud der Jüngling rechtzeitig vor dem Feste ein Mädchen seiner Wahl ein um mit ihm an einem oder an den drei Tagen die Kirmes zu feiern. Dabei galt es gewisse Regeln einzuhalten, so etwa musste der Jüngling darauf achten, dass das Nachbarmädchen nicht vergessen wurde, für das Mädchen galt es dem Dorfjungen das Vorrecht auf den «Fremden« zuzugestehen. Auch war es nicht empfehlenswert, wenn der Junge zu spät das Mädchen ansprach, da er sonst eine Absage riskierte, auch wenn sie noch frei war: man wollte ja nicht, als Notnagel angesehen werden. Es war den Mädchen untersagt ohne Begleitung zum Tanze zu gehen, wenn sich kein Junge gemeldet hatte, dürfte es nur in Begleitung der Eltern oder Geschwister den Saal betreten. Der Begriff »Hurt«, der im Stall die Stangen bezeichnete, auf denen die Hühner nachts Platz nehmen, der schon oben im Zusammenhang mit dem Orchester gebraucht (S.380) wurde, tauchte auch hier wieder auf. Wenn ein junger Mann ein Mädchen, dass zum ersten Mal ausging, einlud, wurde gesagt: »Hen hat et van der Hurt gehollt!«

 

Eine weitere Tradition, die in unserem Dorf, dank der Initiative des Junggesellenvereins, in den letzten Jahren erneut einen erfreulichen Aufschwung genommen hat, ist das Tanzen des »Ronnen«. Der »Lancier«, so meine beiden Gesprächspartner, wird in Nidrum getanzt, solange wir uns erinnern können. Im Band 1 bei Leben und Feiern auf dem Lande wird erwähnt, dass dieser Tanz um 1900 bei uns aufkam. Als die Kirmes noch im Winter stattfand, wurde er wetterbedingt nur auf dem Saal ge­tanzt. Später wurde er ebenfalls an Kirmesmontag und Dienstag, jeweils nach der Messe, vor der Kirche getanzt. Vor Beginn des letzten Telles wurde der Knoten gezogen. In ein Taschentuch wurde an einer Ecke ein Knoten gemacht, die vier Mädchen eines Kreises zogen an einem Zipfel und der Partner derjenigen, die den Zipfel mit dem Knoten zog, musste eine Runde spendieren. Auch galt die Einladung und Annahme zum Tanzen des Lanciers, als Vorentscheidung, für die Begleitung des Mädchens auf dem Nachhauseweg.

 

Wenn ein Junge mit einem Mädchen nach Hause gehen wollte, so Franziska Heck, so musste er vor 10 Uhr gefragt haben, danach lehnte das Mädchen die Anfrage ab. Bis zu Beginn der sechziger Jahre gehörte der Lan­cier zum normalen Repertoire der Tanzkapelle. Da die Kreise nach dem Lancier den Saal und häufig auch das Lokal verliessen, um in einer anderen Wirtschaft den »Knoten« zu trinken und somit der Saal halb leer zurückblieb und jegliche Stimmung dahin war, wurde den Musikern durch die Wirte das Spielen des Reigens untersagt.

 

Was nun die Musik anbetraf, so wurde sie bis Kriegsausbruch von Blasmusikgruppen gespielt, erst nach Kriegsende wurden Tanzkapellen engagiert und seit Be­ginn der neunziger Jahre findet am Kirmessamstag eine Discoveranstaltung statt.

 

Im Laufe der Jahre hat das Feiern der Kirmes weitere Veränderungen erfahren. So wurde Mitte der fünfziger Jahre erstmals am Samstag, als Kirmesauftakt, durch die Dorfjugend der Kirmesbaum aufgerichtet. Dieser Baum steht nicht von ungefähr in der Nähe des Saals Haep, war es doch der aus Merlscheid, bei Manderfeld stammende Wirt Nikolaus Haep, der diesen in vielen Eifeler Ortschaften seit langem bestehenden Brauch, nach Nidrum brachte.

In den zwanziger Jahren tauchten die ersten Kirmesbuden auf. Dabei handelte es sich um ein Zelt von Ru­dolf Litt aus Elsenborn, an dem man Vorwitztüten, Klümpchen oder kleinere Spielsachen erwerben konnte. Dazu hatte der Nidrumer Franz Schmidt einen »Hau den Lukas« hergestellt, an dem die Männer ihre Kräfte messen konnten. Die Karussells kamen erst verhältnismässig spät in die Eifel, gehören aber mittlerweile zum festen Bestandteil einer zünftigen Kirmes. 1947 beschränkte sich das Angebot auf eine Schiessbude, eine Losbude und erstmals ein Kettenkarussel. Später gesellte sich das Berg und Talfahrt und ein Kinderkarussel hinzu. Da Nidrum im Vergleich zu den Nachbardörfern eine verhältnismässig »kleine Kirmes» hatte, dauerte es sehr lange bis erstmals die Autoscooter auftauchten.

 

Termin und Dauer der Kirmes haben sich im Laufe der Zeit ebenfalls verändert. Wie bereits oben erwähnt wur­de sie bis 1931 am Sonntag nach dem Dreikönigsfest, also mitten im Winter gefeiert. Dann wurde sie auf den 3. Sonntag im Juni verlegt. Dieser Termin wurde gewählt, da der Zeitpunkt kurz vor Beginn der Heuernte sehr günstig lag. 1970 wurde sie, diesmal wegen der Prüfungen der Studenten, nach einer Volksbefragung auf den 3. Sonntag im Juli, in die Urlaubszeit gelegt. Beschränkte sich die Dauer früher auf drei Tage, so hat sich dies stark geändert. Zunächst kam das Begraben der Kirmes am Mittwoch hinzu. Ich erinnere mich an solch einen Begräbnistag Ende der fünfziger Jahre. Die männliche Jugend traf sich gegen Mittag bei Haep wo dem Wirt beim »Fassleeren« fleissig geholfen wurde. Dann formierte sich der »Trauerzug« hinter der »Fahne«, einem Stock an dem mehrere leere Geldbeutel festgenagelt waren, um den »Sarg«, eine mit Knochen gefüllte Munitionskiste und zog »betend«: «Januar, Februar, März, Aprel, Mai, Juni, do worr ze, no drej daj do storf ze« zu den übrigen Wirtschaften, um dort ebenfalls beim Leeren der Passer behilflich zu sein.

 

Mitte der siebziger Jahre wurde am Samstag nach dem Kirmesbaumaufrichten ein erster Bail abgehalten, der in den neunziger Jahren durch eine Discoveranstaltung abgelöst wurde. Seit einigen Jahren wird der Kirmes­baum bereits am Freitagabend aufgerichtet. Anschliessend findet im Cafe »Twilight« ein Rock-Konzert statt, so dass die Dauer der Kirmes sich mittlerweile auf 6 Tage erstreckt.

Wenn die Nidrumer Kirmes nach einer Flaute in den achtziger Jahren augenblicklich einen wahren Boom erlebt, so ist dies in erster Linie dem Jungesellenverein zu verdanken, der sich wie im Kapitel über die Vereine nachzulesen ist, besondere Verdienste bei der Gestaltung erworben hat.

 

 

/Recht/ Schieferstein und Schwarzbrot, Aktuell Verlag, 1983

(S.247)

 

Der Kirmesbaum

 

Dem Junggesellenverein obliegt die Errichtung des Kirmesbaumes . Den Baum stellt die Gemeinde, die Junggesellen streichen ihn grünweiss an. Die genaue Bedeutung dieses Brauches ist nicht bekannt. Auf jeden Fall ist es ein willkommener Anlass die Kirmes anzusetzen. Am Samstagnachmittag versammeln sich die Junggesellen auf der Festwiese. Der am oberen Ende mit einem bander geschmückten Lichterkranz und einem Maien versehene, etwa zwanzig Meter hohe Baum wird mit einem Eisenbolzen in der Haltevorrichtung befestigt. Acht bis zehn Meter lange Stangen werden zu Stützen kreuzweise zusammengebunden, und unter lauten Anfeuerungsrufen wird das nicht ganz ungefährliche Aufrichten vorgenommen. Darauf folgen ein umfangreicher Umtrunk und am frühen Abend, unter Mitwirkung des Musikvereins der traditionelle Fackelzug durchs Dorf. Auch heute wird die Rechter Kirmes immer noch sehr zünftig gefeiert, vielleicht auch deshalb, weil sie nach dem Sommer eine der letzten Kirmessen unseres Gebietes ist.

 

 

DAS ERNTEDANKFEST, in : Nidrum, 1998

 

Im Empfinden der Menschen gehört zu allem Tun der Segen Gottes. Dies galt in besonderer Weise für die Arbeit auf dem Feld. Daher war es für den Eifeler selbst verständlich, nach der geglückten Ernte Gott zu danken. In den Kriegsjahren haben sich die Nazis dieses Pestes bemächtigt, um parteipolitischen Nutzen daraus zu ziehen.

1986 haben die Landfrauen den Anstoss zu einem kirchlichen Erntedank gegeben. Auch in unserer Pfarre schmucken sie die Kirche bei dieser Gelegenheit besonders festlich und gestalten den Gottesdienst mit.

 

09

/Recht/ Schieferstein und Schwarzbrot, Aktuell Verlag, 1983

 

(S.249) Der Ronnen

Wenn es auf den Herbst zugeht, ist die Rechter Kirmes nicht mehr fern. Da diese immer auf den letzten Sonntag im September fällt und zu dem Zeitpunkt die wichtigsten Erntearbeiten beendet sind, galt dieses dreitägige Dorffest in früheren Zeiten als Erntedankfest. Die Rechter Kirmes ist auch heute noch stark traditionsgebunden. Der Kirmesmontag ist seit altersher den Junggesellen und somit dem Tanzen des ,,Ronnen » vorbehalten. Dieser aus drei Hauptteilen bestehende alte Volkstanz wird nachweislich schon seit über hundert Jahren in Recht getanzt. Nach der hl. Messe, gegen 10.30 Uhr, begibt sich die Jugend, angeführt vom Musikverein und gefolgt von einer grossen Menschenmenge, zur Festwiese. In der Mitte des Platzes steht der grünweiss gestrichene und mit einem Lichterkranz geschmuckte Kirmesbaum, der am Samstagnachmittag von den Junggesellen, unter grossem Hallö, aufgestellt wurde. Zu einem kleinen, dazugehörenden Vorspiel fassen sich alle Tänzerinnen und Tänzer bei den Händen und bilden eine Reihe. Diese bewegt sich im Takt der Musik in einer Spirallinie rund um den Kirmesbaum, bis die Kreise nicht mehr enger gezogen werden können, löst sich dann auf, und der eigentliche Ronnen kann beginnen.

 

Erster Teil: der Lancier

 

Der Lancier hat seinen Ursprung in Irland, kam 1856 nach Frankreich und von dort nach und nach in unsere Gegend. Dieser Tanz besteht aus funf Teilen. Er wurde erst in Frankreich populär, darum hat er auch die französischen Bezeichnungen der verschiedenen Teile behalten: Première figure: les tiroires ,,dorrich danze » (durchtanzen); deuxième figure: les lignes ,,d’Roi » (die Reihe); troisième figure: les moulinets ,,schwenke »; quatrième figure: les visites ,,jrösse » (griiflen); cinquième figure: les galops ,,Handjemeng ». Dieser Tanz wird zu je vier Paaren, welche ein Quadrat bilden, ausgefuhrt. Nach jedem Einzelteil wird eine kleine Zwischenpause eingelegt. Fruher wurde der Lancier bei jeder Tanzveranstaltung wenigstens einmal, wenn nicht zweimal, aufgeführt. Nach dem Tanz wurde der ,,Knoten » gezo­gen; wer das Pech hatte, den Taschentuchzipfel mit dem Knoten zu ziehen, musste an der Theke eine Runde für seine Tanzpartner zahlen. Meistens blieb es nicht bei einer Runde.

 

Zweiter Teil: die Quadrille

 

Alle Tanzpaare bilden ein grosses Quadrat. Dieser Teil besteht auch wieder aus vier verschiedenen Einzelteilen mit Zwischenpausen. Hierbei geht es ganz lustig zu, es wird auf der Stelle getanzt, danach wird von einer Seite zur anderen durchgetanzt, und zum Schluss wird ,,schassiert ».

 

Dritter Teil: die Polonaise

 

Paarweise, im Marschtempo und bei den Klängen der Polonaise setzt sich die lange Reihe in Bewegung. Am Ende der Tanzwiese trennen sich die Tanzpaare, Männer nach links, Frauen nach rechts, und marschieren in umgekehrter Richtung weiter, um sich an der entgegengesetzten Seite der Wiese wieder zu einen. In diese Tanzszeneschiebt sich ein eigenartiges Gespann; das Pflugziehen und Kaafstreuen am Schluss des Ronnens soll laut Überlieferung an die Fruchtbarkeit des Bodens erinnern. Der von einem Junggesellen gehaltene Hakenpflug wird von mehreren seiner Kollegen durch die Menschen­menge gezogen. Die Saaten werden mit Ginster abgesteckt, und der darauffolgende Sämann streut die Kaaf aufs frisch gepflügte Feld. Zum Gaudi der Zuschauer landet aber die meiste Kaaf (Abfall von Hafer) in den Haaren der Mädchen und Frauen.

 

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ALLERHEILIGEN  ALLERSEELEN, in : Nidrum, 1998

 

Das Fest Allerheiligen wurde in Syrien seit dem 4. Jahr­hundert gefeiert. Papst Gregor IV. legte es auf den bis heute gültigen Termin des 1. November. Ab dem 10. Jahrhundert haben die Benediktiner die Sitte eingeführt alljährlich am 2. November einen Gedenktag für die verstorbenen Wohltäter und Freunde ihrer KIöster zu feiern. In Nidrum findet die Andacht für die Verstorbenen mit anschliefäendem Gang zum Friedhof am Allerheiligentag statt. Nach der Segnung der Gräber durch den Priester begeben sich die Gläubigen zu den Ruhestätten ihrer Angehörigen, um einige Augenblicke zu beten und in Gedanken bei den Toten zu verweilen. Bereits an den Tagen vorher werden die Gräber mit Blumen, Kränzen und Lichtern geschmückt. Nach der kirchlichen Feier bietet dieser Totengedenktag den Familienangehörigen die Gelegenheit, sich bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Torte zu treffen.

In früherer Zeit konnten die Gläubigen vom Mittag des Allerheiligen bis zum Abend des Allerseelentages Ablässe »gewinnen«, indem sie beim Kirchenbesuch jeweils fünf Väter unser, «Gegrüsst seist du Maria« und »Ehre sei dem Vater und das Glaubensbekenntnis beteten. Der Ablass war den »armen Seelen« zuwendbar. Diese sinnentleerte Glaubenspraxis hatte bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil Bestand.

 

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Martinszug in St. Vith, Kurier Journal 13/11/2002

 

Am ersten Sonntag nach dem 11. November

Um 17.00 Uhr treffen sich die Kinder mit ihren Eltern in der Pfarrkirche. In einem Szenenspiel wird der Gedanke des Teilens dargestellt durch den heiligen Martin, der seinen warmen Mantel mit dem frierenden Bettler teilt. Nach der Feier in der Kirche werden unter den Kindern des 5. Und 6. Schuljahres traditionsgemäss zwei Gänse verlöst.

Umzug mit Fackeln.

Zum Abschluss erhalten alle am Umzug teilnehmenden Kinder eine Tüte.

 

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WAFFENSTILLSTAND, in : Nidrum, 1998

 

Dieser Gedenktag für die Kriegsopfer am 11. November, wurde unmittelbar nach dem Nationalitätenwechsel 1920 durch die neue Verwaltung eingeführt und hat sich bis auf den heutigen Tag in seinem Ablauf kaum verändert.

 

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SANKT MARTIN, in : Nidrum, 1998 (S.382)

 

In Nidrum wurde in den Jahren 1952 bis 1956 auf Initia­tive des früheren Lehrers Clemens Meyer ein Martinszug durchgeführt. Sankt Martin, alias Hubert Rozein, ritt auf dem Schimmel von Nikolaus Haep in Begleitung der singenden Kinder mit ihren Fackeln durch das Dorf, bevor es im Schulhof zum Abschluss des Pestes einen Weckemann als Belohnung gab. Allerdings war der Zug bei den Dorfvereinen umstritten, auch die Gemeinde vermerkt in ihrem Protokollbuch : Der Gemeinderat beschliesst die Feier der Martinszuges in Nidrum dieses Jahr noch versuchsweise zu dulden und falls diese Feier nicht den Wünschen der Bevölkerung bezw. der Vereine entsprechen soll, ab nächstes Jahr abzuschaffen. (Eintragung vom 3. November 1956). Tatsächlich fand im folgenden Jahr kein Sankt Martinszug mehr statt.

 

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NIKOLAUS, in : Nidrum, 1998, (S.382)

 

Eines der schönsten Kinderfeste ist zweifellos der Besuch von Sankt Nikolaus, am Vorabend des 6. Dezember. Dies war allerdings nicht immer so. … Nach Ansicht von Karl Meisens gehört die Entstehung des Brauches in den kirchlichklösterlichen Lebenskreis des Mittelalters und im besonderen in das Milieu der stark mit Lohn und Strate arbeitenden klösterlichen Pädagogik. Das klingt  im Hinblick auf manche alten Quellen  logisch; nur haben sich keineswegs alle Nikolause derart pädagogisch verhalten. Vielmehr traten sie, besonders auf dem Land, als wilde, rauhe Gesellen auf, in alle Klamotten gekleidet oder gar als Strohbären wie an Fastnacht mit Ketten rasselnd… Im Jahre 1784 verbot Clemens Wenzeslaus, Erzbischof und Kurfürst von Trier dieses Treiben… (1, S.221) Danach wandelte sich die Maskenfigur aus den wilden Gesellen entwickelte sich ganz allmählich die Figur eines Heiligen, der teilweise mit Messgewändern ausgestattet, als Bischof auftrat. Es dauerte allerdings sehr lange bis diese Umwandlung überall zum Tragen kam. Erst mit der Gestalt des heiligen Bischofs Nikolaus konnten auch Güte und Ermahnung, Lob und Tadel ausgedrückt werden.

 

In Nidrum fanden sich die beiden Komponenten des Brauches wieder, einerseits kam der gute «Heilige Mann« zu den Kindern, aber er hatte auch seine Knechte, Hans Muff genannt, dabei, die Angst und Fürcht verbreiteten. Bereits in den Wochen vor dem 6. Dezember stellten die Kinder regelmässig vor dem Schlafengehen ihren Schuh aufs Fensterbrett und konnten voll Freude am anderen Morgen Nüsse, Bonbons oder Obst darin entdecken, ein Zeichen dass der Heilige Mann vorübergegangen war. Manchmal fuhr den Kindern der Schrecken in die Beine, wenn während der Melkzeit, also während die Eltern im Stall beschäftigt waren, plötzlich Ketten vor dem Fenster klirrten und Knecht Ruprecht mit einer Rute gegen das Fenster schlug. Am Abend des 5. Dezember wuchs dann die Spannung. Die Kinder wa­ren froh, wenn die Eltern endlich aus dem Stall kamen und das Alleinsein ein Ende hatte. Aufgeregt und ängstlich sassen die Sprösslinge in Erwartung des »hohen« Besuchs auf der Bank. Wenn dann die Klingel draussen ertönte, begannen alle Anwesenden eifrig das Nikolauslied zu singen und es dauerte nur noch wenige Augenblicke (S.383) bis zwei fürchterregende, schwarze Gestalten, mit Ketten und Sack ausgerüstet, in die Stube stürzten und sogleich unterm Tisch Platz nahmen. Dann galt es blitzschnell die Beine hochzuziehen weil es sonst die ersten Hiebe mit der Rute gegeben hätte. Endlich betrat der Heilige Mann das Zimmer und schlug sein grosses Buch auf um darin nachzusehen, was die Kinder so alles verbrochen hatten. Dabei musste jedes hinter dem Tisch hervorkommen und mitten im Zimmer Aufstellung nehmen. Sodann las Sankt Nikolaus die Vergehen vor und seine Knechte die zwischenzeitlich unterm Tisch hervorgekommen waren, begleiteten das Ganze mit einem Knurren, einem Rasseln mit der Kette und wenn nötig mit einem Schlag mit der Rute in die Beine. Zusätzlich musste auf einem Bein durch das Zimmer gehüpft und ein Gebet gesprochen werden, dies immer unter den drohenden Gebärden der schwarzen Gesellen. In besonders «schweren Fällen« wurde damit gedroht, den Strolch in den Sack zu stecken und mitzunehmen. Zum Schluss gab es dann die Geschenke, die in früherer Zeit nicht sehr üppig ausfielen. Meist gab es nützliche Sachen, wie Kleidungsstücke, Griffelsdose, einen Schlitten, aber auch Obst und einige Süssigkeiten. Zum Abschied wurde »Niklaus ist ein guter Mann« gesungen und die Eltern erhielten eine Rute, die auf den Schrank gelegt wurde und dabei als ständige Bedrohung sichtbar war.

 

Im Laufe der Jahre wurde der Brauch des Hausbesuches immer mehr verdrängt, was nicht verwunderlich ist besuchte Sankt Nikolaus die Kinder doch schon in der Schule und seit 1970 auch beim Saalfest des Turnvereins. Auch hat sich die Rolle und das Auftreten der Akteure total verändert. Der Nikolaus tritt in den Vordergrund, während sich sein Knecht bescheiden zurückhält und eigentlich nur noch dabei ist, um die Ge­schenke herbeizuschaffen, häufig fehlt er auch gänzlich. Das »allwissende« Buch wird allerdings auch weiterhin aufgeschlagen aber neben den »Missetaten« steht nunmehr auch das Positive darin vermerkt. Dies hat zur Folge, dass die Angst, die dieses Fest früher beherrschte, fast gänzlich verschwunden ist und Sankt Nikolaus als Freund der Kinder in Erscheinung tritt.

 

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RÖPPENKLOOS, in : Nidrum, 1998, S.382

 

In früherer Zeit wurde in den dunklen Stuben der Eifel an den langen Winterabenden häufig von Gespenstern und Spuk erzählt. In diesem Bereich muss man auch einen Brauch ansiedeln, der bis zum Anbringen der Strassenbeleuchtung in Nidrum anhielt, der »Reupenkloos«. Dabei handelte es sich um einen Kopf, der aus einer Rübe angefertigt wurde. In die ausgehöhlte Rübe wurde eine brennende Kerze gesetzt und dieses Gebilde dann unter eine Hecke gestellt. Es flösste den Kindern Angst und Schrecken ein, wenn sie nach Anbruch der Dunkelheit allein unterwegs waren, um noch die eine oder andere Besorgung zu erledigen. Wenn dieses »Gespenst« am Strassenrand entdeckt wurde, rannte man so schnell wie möglich nach Hause, um Schutz vor Ungemach zu finden.

 

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WEIHNACHTEN, in : Nidrum, 1998

 

Die ersten Christen kannten lediglich das Passahfest, als Erinnerungsfest an Christi Abendmahl.« (S.234) Erst im Laufe des 4. Jahrhunderts wurde das Geburtsfest Jesu gefeiert. »Den Berechnungen nach schien zunächst für die Christgeburt nur das Halbjahr Frühling bis Herbst in Frage zu kommen, denn in Judä können im Winter Menschen und Tiere kaum im Freien nächtigen. Die Datierung des Christgeburtfestes wurde folglich eine höchst komplizierte religionspolitische Setzung… Die römische Datierung, der Dezember setzte sich schliesslich durch. Um 354 wurde das Fest schon feierlich in Rom in einer eigenen Kirche begangen. Im deutschen Sprachraum wurde erst 113 durch eine Mainzer Synode die Christgeburtsfeier :um allgemeinen kirchlichen Feiertag erklärt… Auf dem Lande blieb das Weihnachtsfest bis Mitte des 19. Jahrthunderts ein kirchliches Fest mit der zusätzlichen Christnette und mit Krippenspielen in der Kirche. Im Bauernhaus wurde gut und üppig gegessen, viel gebacken und gekocht, Haus und Stall wurden geräuchert, dem Vieh segenbringende Maulgaben verteilt, den Kindern rotbackige Äpfel und ein kleines Spielzeug gegeben. Aber ein gabenreiches Familienweihnachten unter dem Christbaum hat sich auf dem Land erst um 1900 durchgesetzt.

 

Die Ausbreitung des Weihnachtsbaumes setzte erst so richtig nach Ende des deutschfranzösischen Krieges von 1870/71 ein, da auf Wunsch des preussischen Königs Tannenbäume in Lazaretten und Unterständen aufgestellt worden waren. Auf einer Karte, die 1932 für den Atlas der Deutschen Volkskunde hergestellt wurde, (1, S. 239) ist ersichtlich, dass für die allgemeine Verbreitung des Weihnachtsbaumes in den Häusern für Nidrum das Jahr 1920 angegeben wird. Diese Angaben können laut Angaben der Eheleute Heck-Noel nicht stimmen.

 

Sie sind übereinstimmend der Meinung, dass der Weihnachtsbaum früher eingeführt wurde. Sie können sich sehr gut daran erinnern, dass ihre Eltern ihnen vom Christbaum berichteten, der bereits bei den Grosseltern geschmückt wurde. Walter Reuter, der im Jahr 1960 insgesamt 75 Personen nach den Ursprüngen befragte, umschreibt die Verbreitung des Baumes in den Volksschichten auf die Zeit zwischen 1900 und 1920. Daraus lässt sich schliessen, dass der Weihnachtsbaum in Nidrum bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts zum Weihnachtsfest gehörte. Die kleinen Tannenbäume wurden zur damaligen Zeit meistens »organisiert«, so Ewald Heck. Der Baum wurde mit Kugeln, Sternen, Girlanden und Kerzen geschmückt. Unter dem Tannenbaum stand bereits in unserer Kinderzeit eine Krippe. In der Nacht kam dann das Christkind und brachte kleine Ge­schenke. In der Vorkriegszeit fand am 2. Weihnachtstag eine Theateraufführung statt, so meine beiden Gesprächspartner.

 

Während der Advents und Weihnachtszeit werden in steigendem Masse vor die Häuser mit Lichtern geschmückte Baume aufgestellt, leuchtende Sterne über den Eingangstüren aufgehängt, kleine Kränzchen an der Tür befestigt oder elektrische Kerzenleuchter ins Fenster gestellt. Im Laufe der Jahre hat das Schenken ein immer grösseres Ausmass angenommen. In breiten Schichten der Bevölkerung hat der stets wachsende Konsum die religiöse Bedeutung des Festes mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt.

 

 

/Recht/ Schieferstein und Schwarzbrot, Aktuell Verlag, 1983

(S.247)

 

Kaaf und Puppen

 

Sehr alte Bräuche waren das Kaafstreuen und das Aufhängen von Puppen. Wenn nämlich eine Tochter des Ortes heiratete, wurde den vorherigen Freiern, die nicht das Glück hatten, die Braut heimzuführen, Kaaf (Abfall, der beim Reinigen des Hafers anfiel) gestreut.

 

Hatte sich die Brautwerbung über eine längere Zeit hingezogen, wurde dem erfolglosen Freier von den Junggesellen des Dorfes als Ersatz für die verlorengegangene Braut eine Puppe in der Nähe seines Hauses an einem Baum oder Mast aufgehängt. Kam ein auswärtiger Freier ins Dorf, und sein Werben war von Erfolg gekrönt, so musste er die Braut bei den Junggesellen des Dorfes freikaufen, indem er der Vereinskasse eine Spende gab oder ein Fass Bier oder einige Flaschen Schnaps spendete (Verkoof).

 

Liess er sich nicht zu dieser Geste bewegen, bekam er am Vorabend des Hochzeitstages Katzenmusik; dies war dann für das junge Ehepaar und die geladenen Caste eine sehr peinliche Angelegenheit. Aus dem Protokollbuch des Junggesellenvereins vom 17. Juli 1958 übernehmen wir folgenden Beschluss: Um die alten Dorfsitten aufrecht zu erhalten waren alle anwesenden Mitglieder einstimmig dafür, bei Nichtzahlen der üblichen Heiratsgabe bis längstens zwei Tage vor der Hochzeit sich mit einem verstärkten Katzenmusikquartett an den Festlichkeiten der Hochzeit zu beteiligen.

Alle Vereinsmitglieder, welche diesen Aufführungen fernbleiben, werden mit den üblichen Vereinsstrafen belegt.

 

 

/Recht/ Schieferstein und Schwarzbrot, Aktuell Verlag, 1983

 

(S.247) Böller

 

In früheren Zeiten wurde bei festlichen Ereignissen der Böller geschossen. Es wur­den jeweils drei Salutschüsse abgefeuert. Dazu wurde in die drei dafür vorgesehenen Löcher Pulver eingefüllt, mit Werg und Papier verschlossen und mit Zundschnüren gezündet. Das wurde von Heinrich Meyer, der auch den Böller aufbewahrte, fachmännisch ausgeführt. Bei der Einführung von Pfarrer Borgerhoff im Jahre 1946 wurde dieser schöne und beliebte Brauch zum letztenmal ausgeführt.